Sonntag, 27. Juli 2008
Alle Räder stehen still. Am Abend habe ich ein Gespräch mit Erika Pauline Fechner, der Pastorin und Ekkehard Prophet, dem ehemaligen Intendanten vom Brandenburger Theater und Rüganer aus Samtens. Es geht um die Form der Richtfeier, welchen Segen werden wir aussuchen, wie kirchlich darf die Veranstaltung sein. Es soll ein weltlicher aber spiritueller Festakt werden. Wir entscheiden uns für den Wall als Beginn. Aus dem Erdbauwerk, das gleichzeitig wie das Theater entstand, soll die Richtkrone zum neuen Gebäude getragen werden.
Am Abend treffen Claudia und Wonni ein. Später kommen Ulf und Frank, dann steht Jaqueline im Garten und kündigt eine Freundin, Kirsi an. Claudia brachte eine dicke Holzeichel mit, die einen Ehrenplatz im Gebäude bekommen soll.
Das Endspurtteam rauft sich zusammen. Es wird eng werden und gleichzeitig mit dem Fertigstellen des Rohbaus, muß nun auch das Fest vorbereitet werden. Wir erwarten mehr als zweihundert Gäste.
Montag, 28. Juli 2008
Daniel macht sich an die schweren Pfetten.
Jaqueline und Kirsi verlegen die Dielen im Rang. Frank und ich bauen den Eingangsbereich.
Ich bereite das Verlegen des provisorischen Fußbodens im Zuschauerraum vor.
Wonni richtet den Bienenwagen als Schlafplatz ein. Claudia klart das Grundstück. Frank übernimmt die Küche.
Dienstag 29. Juli 2008
Daniel beendet die Pfetten. Wonni mauert die Westseite des Nebengebäudes.
Oben wird am Boden weitergearbeitet. Alfred und ich verlegen den Boden unten.
Sebastian und Hannah kochen, Frank organisiert Küche und Haus. Später baut Sebastian draußen die Gartendusche.
Vor dem Mitagessen montieren wir die Pfetten. Das sind nun die schwersten Teile, die wir zu bewegen haben.
Inzwischen treffen immer mehr Gäste ein, die sich sofort mit reinhängen.
Nun kommen die Pfetten an ihren Platz. Lange haben wir sie im Holzhaufen liegen gesehen, immer wußten wir, wo sie einmal eingebaut werden.
Immer wieder ist es beglückend zu erleben, wie sich die Kraft einer Gruppe potenziert. Über dem Abgrund schweben die Pfetten auf die Zapfen. Wieder Passt alles wunderbar, dank der Meßkünste Daniels.
Claudia arbeitet sich ein und hilft Daniel beim Vernageln. Juhle montiert den Draußenwasserhahn, so daß die Dusche in Betrieb gehen kann. Wonni mauert nun unter den neuen Pfetten.
Am Abend sitzen wir zum ersten Mal im Gebäude. Nebenbei laufen die Festvorbereitungen. Getränke und Essensorganisation, Technik.
Die Spannung wird immer stärker, und steht den Helfern ins Gesicht geschrieben. Wie zum Beispiel Frank.
Mittwoch, 30. Juli 2008
Daniel, Claudia, Jaqueline und Kirsi beenden den Fußboden oben. Später steigt Veit mit ein. Daniel macht sich an die Sparren. Wir transportieren Stühle aus Gingst heran. Frank und ich bereiten die Pizza vor. Die letzte Pizzaria vor dem Richtfest. Herrliches Sommerwetter, es wird brechend voll. Weit über hundert Gäste werfen einen letzten Blick auf die Baustelle.
Nach einer Planungsbesprechung mit Frank B. macht sich Veit an das Aufreißen der Treppe. In den sehr kleinen Deckenausschnitt will er eine viertelgewendelte Treppe mit bequemer Stufenhöhe zaubern. Bis weit nach Mitternacht dauert der Aufriß.
Donnerstag 31. Juli 2008
Zwei Tage bleiben uns, zur Not die Nächte.
Jaqueline, Claudia und Kerstin sind das Sparrenteam. Sie montieren die Sparrenpaare mit Hilfsleisten zu Dreiecken, die dann auf das Gebäude gehoben werden können
Sebastian kümmerst sich mit dem Freischneider um den “Zeltplatz”
Veit baut die Treppe, Kirsi geht ihm zur Hand. Eine Luxusbautreppe.
Leon und Ben bereiten den Einbau des Geländers vor. Erik entnagelt die alten Geländersäulen.
Freitag, 1. August 2008
Der letzte Tag
Die Bodentruppen schaffen die Sparren heran.
Das erste Sparrenpaar liegt oben.
Die Bodentruppen reichen die Sparrenpaare nach oben und gehen dann einmal ums Haus um Dachverschalung heranzuschaffen.
Das Montageteam nimmt die Sparren entgegen,
hebt sie auf die Pfetten, wo sie ausgerichtet und vorläufig befestigt werden.
Das letzte, dreizehnte Sparrenpaar findet seinen Platz.
Momo hatte eine wunderbare Tomatensuppe gekocht, mit den frischgebackenen Brötchen, ein köstliches Mahl.
Während Daniel die Sparren vernagelt,
wird der alte Robinsonbühnenboden an seinen vorläufig nächsten Platz gebracht,
wird der Fußboden unten beendet,
filzt Hannah einen “Rote Kugel” Wandbehang,
mauert Wonni an der Westfront,
wird die alte Keramikspüle in Partyposition gebracht. Und dann soll noch Schalung genagelt werden, aber nach wenigen Brettern, naht eine bedrohliche Schlechtwetterfront,
die uns dazu zwingt, auf die Schalung zu verzichten und die vorbereiteten Planen aufzunageln.
Die empfindliche Ton- und Lichttechnik ist schon im Gebäude und muß geschützt werden.
In der Nacht leuchten Claudia und ich mit Heiko die Show ein. Gegen drei Uhr ist Feierabend.
Donnerstag, 24. Juli 2008
Veit und Daniel nageln die Deckenbalken auf und passen dann die Schwelle im Obergeschoß an.
Am Abend werden die ersten Wandelemente gerichtet.
Frank, Alfred und ich schaffen die Fußbodendielen für das Obergeschoß ran, sortieren sie durch und beginnen sie zu verlegen.
Am Abend kommt es zu langen Klimawandelgesprächen mit Rainald.
Freitag, 25. Juli 2008
Veit und Daniel vernageln die gestern gestellten Wandelemente mit Holznägeln und passen die Streben ein, dann richten sie die erste Etage.
Frank und ich besäumen die Fußbodenbretter.
Ich schnitze Holznägel. Wonni mauert die Fundamentsockel der Nebengebäude.
Samstag 26. Juli 2008
Daniel beginnt den Boden oben zu verlegen und sägt die Falze aus den Dielen.
Die Fußbodendielen sind fünf Zentimeter dick und ohne Falze gesägt. Veit hatte einen großen Arbeitstisch gebaut, auf dem die Dielen nun mit der Handkreissäge einen Falz gesägt bekommen, beziehungsweise entsprechend ihrer späteren Verwendung konisch der gerade besäumt werden.
Ich besäume Dielung. Es ist sehr heiß und die Sonne sticht. Mit den schweren Maschinen kommt man ganz schön ins Schwitzen. Mit dem Sägemehl bildet sich so ein recht interessanter Belag auf dem Körper.
Mittwoch, 2.Juli 2008
Am Morgen erreicht uns die Nachricht, daß Veit für einige Zeit aus familiären Gründen ausfällt..
Daniel richtet die bislang stehenden Wandteile aus und vernagelt die Rähme Ostseite.
Ausrichten heißt in diesem Fall: mit dem Maßband werden die Winkeldiagonalen überprüft, die Höhen nachgemessen, dann werden die Teile mit dem Vorschlaghammer, dem “Überzeuger” korrigiert. Die Zapfenlöcher werden gebohrt, die zuvor befeuchteten Holznägel eingeschlagen.
Vor der abendlichen Pizzaria wird das Grundstück aufgeräumt und die Zutaten werden geschnibbelt.
Am Abend ist mächtig Betrieb. Von Woche zu Woche kann man das Gebäude wachsen sehen, das zieht die Freunde an.
Donnerstag, 3.Juli 2008
Der Nachpizzatag beginnt mit Aufräumen und Spülen.
Daniel, Wonni und ich machen uns an die Säulen. Sie sollen provisorisch gestellt werden, damit wir den Fuß an die Steine anpassen können.
Heike stößt dazu, verbessert unsere Rückentechnik und hilft beim Aufrichten.
Immer wieder heben wir die Säulen von den Steinen, stemmen die Unterseite so zurecht, daß sie passen. Dann in der Abenddämmerung werden die Steine gebohrt, die Gewindestangen eingeklebt und die Säulenfüße gebohrt.
Freitag, 4. Juli 2008
Die nächsten Schritte, die nun folgen werden unsere ganze Konzentration erfordern. Die Säulen stehen im Lot, wir haben sie nur “eingeguckt”, da es bei diesen Rundlingen keine für genaue Messungen verwertbare Gerade gibt. Nun stehen sie provisorisch befestigt. Am nächsten Tag sollen die übrigen Verbindungen eingemessen werden.
Wir fertigen Stiele, auf denen die Unterzüge liegen sollen, die wiederum die Auflage für die Deckenbalken bilden.
Auf dem Bühnenportal befestigen wir das Rähm Ostseite.
Wonni legt auf dem Fundamentsockel eine letzte Ecke Nebengebäude an, bevor er uns für zwei Wochen verläßt.
Samstag, 5. Juli 2008
Es ist glühend heiß und hell. Den ganzen Tag sind Daniel und ich mit den Knoten beschäftigt.
Von den stehenden Säulen spannen wir Schnüre, Daniel baut Hilfshölzer, die in die ausgestemmten Bereiche der Säule gehalten werden können und anhand derer wir den Winkel der “Brüstungen” festlegen. Das ist ein Wagnis. Zu keiner Zeit können wir das Ergebnis vorab wirklich überprüfen. Erst wenn der Unterzug, den es in dieser Dimension nur einmal gibt, den wir auf keinen Fall verschneiden dürfen, der Deckenbalken, der auf die Säule läuft, die vier geschweiften Kopfbänder und das Sattelholz am oberen Ende mit seinen beiden Kopfbändern komplett am Boden produziert worden sind und dann im Gebäude aufgestellt werden, wird sich herausstellen, ob alles zusammenpasst.
Bis in den Abend hinein arbeiten wir an den Säulen. Daniel in der Verantwortung, ich mit dem Stemmeisen, soweit ich kann.
Sonntag, 6.Juli 2008
Die Arbeit am Sonntag beschränkt sich auf Heumachen, Haus aufräumen, Marmelade kochen und andere Kleinigkeiten.
Bis zum Richtfest bleiben uns etwas mehr als drei Wochen.
Montag, 7. Juli 2008
Daniel ist am Knoten, passt die Unterzüge an, das sind die langen Balken, auf denen später die Deckenbalken liegen werden. Auf dem Bild die Balken, die von den blauen Spanngurten zusammengehalten werden.
Dann werden die sichelförmigen Kopfbänder eingepasst. Auf dem Bild oben sind sie zu sehen, die kurzen leicht geschwungenen Hölzer.
Ich schneide Zapfen, stemme Verkämmungen in die Deckenbalken. Eine Verkämmung ist eine Art Klaue, die aus dem Deckenbalken und aus dem Unterzug und dem Rähm, auf denen der Deckenbalken aufliegt, herausgestemmt wird. Wenn die Deckenbalken aufgelegt werden ergibt sich so eine Zugfeste Verbindung der Schmalseiten des Gebäudes.
Dienstag, 8. Juli 2008
Daniel arbeitet weiter am Knoten, passt die Kopfbänder an die Unterzüge an.
Kopfbänder sind kurze Diagonale Aussteifungen, die für die Steifigkeit der Bauteile sorgen.
Ähnlich den Streben nehmen sie seitliche Druckkräfte auf, reichen aber nicht über die gesamte Wandhöhe sondern nur in Kopfhöhe über ein Drittel der Wandhöhe.
Am Abend kommen Johanna und Frank an.
Mittwoch, 9. Juli 2008
Daniel setzt den Knoten außerhalb des Gebäudes zusammen. An der Spitze der Säule wird das Sattelholz mit den beiden Kopfbändern montiert. Auf dem Sattelholz wird später die Mittelpfette liegen, die wiederum die Auflage für die Dachsparren darstellt. Claudia reist an.
Mit Frank bereite ich die Pizzaria vor. Die Pizaria selbst wird von Frank, Johanna und Annette bestritten während wir anderen mit Veit zusammen und reichlich Hilfe unserer Freunde vom “Mittwochssalon” den ersten Knoten richten.
Die Säule wird ins Gebäude getragen. Rechts sieht man das Säulenoberteil, die Kopfbänder und das Sattelholz auf dem später die Dachkonstruktion liegen wird.
In der Bildmitte der Säulenteil mit den Zapfenlöchern und Brüstungen, in die die Deckenbalken und der Unterzug eingesteckt werden.
Während der Unterzug gehalten wird, fügt Veit das Kopfband ein.
Können, Glück und Fügung lassen alle Teile miteinander in schöne Verbindung kommen.
Donnerstag, 10. Juli 2008
Keine Bauaktivitäten. Nachpizzatag.
Freitag, 11. Juli 2008
Frank und Johanna reisen ab.
Kristof kommt an. Die Nächsten Tage werden nicht gebaut. Der Büchermarkt in Gingst steht bevor.
Samstag, 12. Juli 2008
Büchermarkt. Claudia reist ab.
Sonntag, 13. Juli 2008
Büchermarkt. Abreise Kristof
Montag, 14. Juli 2008
Nach dem Büchermarktwochenende und der Abreise des Besuchs wird das Haus aufgeräumt.
Wir haben vereinbart, eine Woche Pause einzulegen. Daniel und Veit werden sich dann gemeinsam an den zweiten Knoten machen.
Freitag, 18. Juli 2008
Ich besäume Bretter. Frank sägt das Restholz klein.
Montag, 21. Juli 2008
Veit und Daniel arbeiten am zweiten Knoten und den Deckenbalken.
Rechts sind die Zapfenlöcher für Unterzug und Deckenbalken zu sehen, links die Aufnahme für die Kopfbänder unten.
Wir entscheiden die Wechsel für Treppen und Seiteneingänge.
Wechsel sind Aussparungen in der Deckenbalkenlage, um den engen Raum zwischen zwei Deckenbalken zu vergrößern, beispielsweise um einen Schornstein oder eine Treppe durch die Decke zu führen. Ei Balken wird herausgeschnitten und der Rest, der stehenbleiben soll wird mit Querbalken an den Nachbarbalken verbunden.
Ich besäume Bretter. Annette kocht für uns.
Dienstag, 22. Juli 2008
Veit baut den Knoten zuende.
Daniel arbeitet weiter an den Verkämmungen der Deckenbalken und sägt die Balkenköpfe, das sind die Enden der Balken, die später im Zuschauerraum zu sehen sein werden.
Ich besäume Bretter. Das heißt ich säge mit der Handkreissäge die Rindenkanten des Brettes gerade ab so daß ein gerades oder konisches Brett entsteht. Dazu verwende ich einen Anschlag aus einem geraden Brett, durch das die Spitzen einiger Schrauben ragen und das auf das zu besäumende Brett aufgedrückt wird. So kan ich mit der Handkreissäge an diesem Anschlag entlangfahren.
Später kümmere ich mich mit Frank um den Wall, in dem der Festakt des Richtfestes beginnen soll.
Am Abend kommt Rainald und mit Alfred, Werner, Frank, Veit Daniel und ihm richten wir den zweiten Knoten. Damit sind die kompliziertesten Teile des Gebäudes gestellt.
Mittwoch, 23.Juli 2008
Daniel und ich beenden die Arbeit an den Knoten. Die Verschraubungen werden angebracht und die Kopfbänder mit den eichenen Holznägeln vernagelt.
Frank bereitet die Pizzaria vor und steht am Abend am Ofen, während Daniel und ich die Deckenbalken legen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit kreischen die Sägen.
Die Pizzaria ist stark besucht und Frank hat zu kämpfen, uns den Rücken für die Bauarbeiten frei zu halten.
Bis spät in die Nacht sitzen wir und diskutieren über Rainalds Klimawandelprogramm, an dem er gerade arbeitet.
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