Seit Anfang April arbeitet “Feinste Regionalwaren und Töpferei” im eigenen Haus. In der denkmalgeschützten Mitteldiele, befindet sich der Regionalwarenladen, in den putzigen Räumen der ersten Etage gibt es eine schöne Ausstellung von Keramik und Kunsthandwerk. Während der nächsten Monate wird die Renovierung des Hauses kontinuierlich neben dem Geschäftsbetrieb ablaufen.
Voriges Jahr erreichten Roswitha und Lothar, daß das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wurde. Gemeinsam mit Dr. Sommer-Scheffler wurde am Nutzungskonzept gefeilt und aus diesem Kontakt ergaben sich viele schöne planerische Lösungen. Der ursprüngliche Eingang in die Mitteldiele bleibt erhalten. Die originale Raumhöhe und der Dielenboden bleiben ebenso erhalten wie die aufwendig gestalteten Innentüren und die Treppe. Um diesen Kernbereich legt sich hufeisenförmig der eigentliche Laden, der von einem seperaten Eingang betreten werden kann. Das rechte Fenster wird einer Tür weichen. Von der Gartenseite wird die Südsonne den Laden belichten.
Das Haus wurde nach dem großen Gingster Brand im Jahre 1823 als Fachwerkhaus mit Krüppelwalmdach wiedererichtet.
Man kann hier sehr schön die Schicht des großen Brandes erkennen, aber auch viel ältere Kulturschichten, Mittelalter, Slavenzeit …
Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts wurde die Nordfassade im Stil des späten Klassizismus neu gestaltet und in massiver Ziegelbauweise vorgebaut. Gleichzeitig wurde das Dach um etwa 80 Zentimeter angehoben. Bei der anstehenden Sanierung soll das noch bestehende Fachwerk, sofern es nicht zu stark zerstört ist möglichst schonend instand gesetzt werden, die fehlenden Fachungen dem ursprünglichen Zustand entsprechend mit Lehm geschlossen und verputzt werden. Wo möglich werden die alten Fußböden erhalten.
Die einen nennen es Pflanzenschutz, den Anderen ist es Gift. Nun brummen sie wieder, die Trekker und sprühen allerlei Dünger oder “Pflanzenschutz”. Je geringer die Artenvielfalt auf dem Acker, desto reicher die Ausbeute. Wohin soll die Reise gehen. Der Bauer als Energiewirt oder Nährer. Kann man überhaupt noch von Bauern sprechen. Welche Rolle spielen die großen Chemiekonzerne. Hat der Landwirt noch eine Wahl, zerrieben zwischen Konzernen, der Europagesetzgebung dem Tourismus und und und?
Schafft die Landwirtschaft Arbeit in der Region. Tausend Hektar, fünf Arbeitsplätze. Es gab Zeiten, da ernährten zehn Hektar eine Familie.Wie hat sich das Landschaftsbild verändert? Wo sind die alten Wege? Was ist mit den Bienen los? Wo liegen die Fehler im System? Fragen über Fragen.
Es wird nicht einfach werden, in den nächsten Wochen ein klares Bild von den Zusammenhängen in der Landwirtschaft auf Rügen zu bekommen. Es gibt auch noch immer verschiedene Formen der Landwirtschaft, die auch verschiedenen Gesetzmäßigkeiten folgen.
Den Hauptanteil bildet die industrialisierte Landwirtschaft, sie ist gekennzeichnet durch großflächiges Arbeiten. Betriebsgrößen um die tausend Hektar (1Hektar=10 000 qm) sind keine Seltenheit. Die großen Schläge ermöglichen eine Bearbeitung mit der modernsten Technik. Es wird nicht mehr lange dauern, dann können wohl auch die Traktoristen eingespart werden. Diese auf der Insel am weitesten verbreitete Form der Landwirtschaft ist hocheffizient und hochgefördert. Sie schafft eine Menge Arbeitsplätze in der Schwerindustrie, in den Chemiekonzernen, an der Börse und anderswo, sie schafft fast keine Arbeitsplätze auf der Insel, entsprechend findet die Wertschöpfung dieser Form der Landwirtschaft anderswo statt.
Es gibt noch ein paar Reste bäuerlicher Landwirtschaft, die Betriebsgrößen sind wesentlich kleiner, diese Betriebe haben es schwerer sich am Weltmarkt zu behaupten, sie beschäftigen verhältnismäßig mehr Menschen. Sofern sie bestimmte Nischen besetzen (Biobetriebe, Ferienauf dem Bauernhof, Behinderteneinrichtungen) können sie einigermaßen gut wirtschaften, ansonsten läuft es meist auf Selbstausbeutung oder Ausbeutung der eigenen Familie hinaus.
Daß die Gesellschaft um die Hinterlandbühne herum die sie umgebende Landwirtschaft mit einer gewissen “Sorge” betrachtet, ist kein Geheimnis. Seit Jahren finden Gespräche mit Bauern und Naturschützern statt und immer wieder kommen wir an den Punkt, daß sich das Wesen der Landwirtschaft ändern muß. Die Frage nach Bio- oder Konventionell streift dabei nur einen Teilaspekt der Thematik.
Ein Beispiel für eine Problemlage in der Landwirtschaft ist der Umgang mit den Straßenbäumen. Wie in diesem Fall gepflanzt an einer neugebauten Straße, die mit Mitteln des ländlichen Wegebaus, auch das eine indirekte Förderung der Landwirtschaft, von dem benachbarten Landwirt beschädigt wird.
Steuermittel, also das Geld des Bürgers, werden aufgebracht, um Straßen für die Landwirte zu bauen, als Ausgleich für die Bodenversiegelung werden Bäume gepflanzt, ebenfalls aus Steuermitteln, diese Bäume werden von dem mit Steuermitteln geförderten Landwirt dann wieder beschädigt. Die Kompetenzen für Landwirtschaft und Umwelt liegen im Landwirtschaftsministerium (Till Backhaus SPD). Dort wird man sich seit Jahren nicht einig, diesem Mißstand abzuhelfen.
Allerdings gibt es auch ermutigende Beispiele, wie hier oben zu sehen, eine vor zwei Jahren neu gepflanzte Baumreihe zwischen Venz und Zirmoisl. Hier scheint es keinen Konflikt zwischen Flächenausnutzung und Baum zu geben. Der Landwirt hat sich für die Pflanzung eingesetzt und hält vernünftige Abstände zu den Bäumen ein.
Es wäre wünschenswert, wenn auch andere Betriebe sich auf diese Weise hervortäten, bislang ist das ein einsames Beispiel in unserer Region.
Immer wieder kommen wir an den Punkt, daß der “konventionell” arbeitende Landwirt auch ein Getriebener unseres Wirtschaftssystems ist. Viele Betriebe sind verschuldet, der Wettlauf um die modernste Technik, das wirksamste Gift, die aktuellsten Saaten und das Abschöpfen der Fördertöpfe macht den Landwirt zum Manager und so bleibt oft gar nicht die Zeit und Ruhe, sich einmal anzusehen, wohin man inzwischen Geraten ist.
Spannend in diesem Zusammenhang sind auch immer wieder die Gespräche mit “Alteingesessenen”, die von einem ganz anderem Landschaftsbild, einem vernünftigen Fruchtwechsel, einer humusbildenden Bodenbearbeitung und einem anderen Artenreichtum berichten.
Ebenso spannend ist es auch zu hören, auf welche Weise sich die Großunternehmen der Flächen bemächtigen, die gerade zum Verkauf oder zur Pacht stehen.
Ein Wettlauf um Bodenbesitz hat begonnen. Die Kapitalkrise hat dazu geführt, daß freies Geld in Land, also in reale Werte umgesetzt wird. Die Furcht vor einer Hyperinflation befeuert diesen Prozess.
Gleichzeitig schafft diese Landwirtschaft keine Arbeitsplätze in der Region und verliert damit zunehmend die Akzeptanz der Landbevölkerung. Viele hier lebende Menschen kommen aus der Landwirtschaft, sind in Folge der Wende arbeitslos geworden und mußten sich neu orientieren. Dennoch bleiben sie dem Boden verbunden, empfinden sich mitunter von ihrem Boden vertrieben. Obwohl es sich bei ihnen nicht gerade um Ökos handelt, werden viele Veränderungen mit Sorge betrachtet. Die Reduzierung der Störche ist nur ein sehr deutliches Zeichen, wie die intensive Landwirtschaft die Artenvielfalt beeinträchtigt. Daß Quellen und Brunnen, aus denen man noch vor dreißig Jahren trinken konnte, inzwischen vergiftet sind, verschärft das Bild.
Fortsetzung folgt
Vor etwa hundertfünfzig Jahren, als die Backsteinhäuser, die “Schnitterkaten” gebaut wurden, da war den Menschen der Erdweg nicht mehr genug. Wie an vielen anderen Orten auf Rügen wurde auch hier der wichtigste Verkehrsweg gepflastert.
Man grub die obere Erdschicht weg, vielleicht entfernte man auch noch eine Lage Lehm und ersetzte sie durch Sand, dann wurden die Pflastersteine sorgfältig aneinandergefügt in dieses Bett gerammt.
Oft wurden zur Gewinnung der Steine Großsteingräber zerklopft, und wer weiß, vielleicht waren unsere glattgeschliffenen Straßensteine einmal Teil von steinzeitlichen Grabmonumenten.
Die holperige Straße, wie auch das weitgehende Fehlen von Straßenlicht stellte für uns hier immer einen besonderen Luxus dar und so gaben wir dem Bürgermeister und den Gemeindevertretern immer wieder zu verstehen, daß wir dieses Straßenstück keineswegs durch eine Asphaltbahn ersetzt haben wollten.
Im Herbst 2008 gab es einen Ortstermin mit Amtsvertretern und einem Ingenieur bei dem man sich einigte, die Straße aus den vorhandenen Steinen neu zu verlegen, fördermittel sollten beantragt werden. Als nun der Bürgermeister im Herbst des Jahres 2009 anrief um die Bürger von den beginnenden Baumaßnahmen zu informieren, teilte er beiläufig mit, man habe sich aus Kostengründen nun doch für eine Variante in Betonstein entschieden.
Bei dem folgenden Treffen kam es zu lautstarken Auseinandersetzungen. Wir waren praktisch chancenlos, der Bauauftrag war bereits vergeben. Nun kamen wir überein diese Straße nicht so einfach preiszugeben. Die folgenden vierzehn Tage glichen einem Hölleritt. Telefonate mit Amt, Ingenieurbüro, der Förderstelle, Ratgebern aus der Kommunalpolitik, Freunden und Vertrauten ließen wenig Hoffnung.
Wir luden einen Ingenieur vom “Forum Natursteinpflaster” ein, der uns ein Gutachten über die Reparaturmöglichkeiten zu erstellen versprach. Es gab zwei Strategien. Zum einen mußte vermieden werden, daß die Anlieger an den Kosten beteiligt würden, was nur bei einem Neubau geschehen konnte, während eine Reparatur allein von der Gemeinde bezahlt werden mußte. Alle Anlieger unterschrieben einen Brief, in dem sie sich für eine Reparatur aussprachen. Die übrigen Anwohner erklärten sich in einem zweiten Brief solidarisch und boten ihre Mithilfe bei einer Reparatur an.
Wir recherchierten Preise, um der Gemeinde und dem Amt vorrechnen zu können, daß eine Reparatur für alle Seiten kostengünstiger wäre. Ich führte Gespräche mit den Gemeindevertretern.
Eines unserer Schlüsselworte war “Die Straße ist gut, nur das Wasser muß ablaufen können”. Der holperige Zustand war für uns als Tempobremse willkommen. Immer wieder besuchte ich die Straße, immer wieder trafen sich die Schweikvitzer auf der Straße. Viele Gespräche wurden geführt, auch mit den Alten, die diese Straße noch in anderem Zustand kannten. Eine erste Randfreilegung wurde begonnen und es zeigte sich, daß die Straße tatsächlich unter dem in vielen Jahren angewachsenen Boden in gutem Zustand war.
Aus dem Landwirtschaftsministerium, wo ich den für Dorferneuerung zuständigen Fördermittelentscheider erreicht hatte, kam schließlich ein erstes positives Signal. Er wollte sich selbst ein Bild der Lage machen. Der Baubeginn verzögerte sich also. Die Zeit arbeitete für uns, der Winter stand bevor. Inzwischen hatten wir auch einige Ungenauigkeiten im Genehmigungsverfahren aufgespürt. Ein wesentlicher Punkt war, daß im Fördermittelantrag von Natursteinpflaster die Rede war.
Bei dem Besuch aus Schwerin wurden der Gemeinde dann zwei Wege eröffnet, entweder die Straße im kommenden Jahr als geförderte Pflasterstraße bauen zu lassen, oder sie aus eigener Kraft zu reparieren egal mit welchem Material.
Bei einer Sondersitzung des Gemeinderates sprachen sich die Gemeindevertreter nun dafür aus, dem Willen der Bürger zu folgen und die Straße reparieren zu lassen, die Kosten dürften jedoch die achttausen Euro nicht überschreiten, und die Anwohner wurden beim Wort genommen, den Baumseitigen Seitenstreifen selbst freizulegen. Wenn man bedenkt, daß es bei dem Neubau um einen Betrag von achzigtausend Euro gegangen wäre, so wurde die Reparatur für ein Zehntel dieses Volumens erreicht.
Geblieben ist uns das wunderbare Pflaster, die Freude am gemeinsamen Tun, die Solidarität mit den Freunden aus nah und fern und eine Langsamfahrstraße mit der sich alle Bürger hier identifizieren.
Gelernt haben wir, daß sich auch die aussichtsloseste Lage noch wenden läßt, wenn wir alle zusammenstehen.
| 7. August 2010 00:04 | bis | 8. August 2010 04:04 |
Am Samstag den 7. August 2010
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